Pflegeheim Flensburg - Park und Gärten

Das Konzept des "DRK-Pflegeheimes Am Lautrupsbach" in Flensburg beruht auf überschaubaren Wohngemeinschaften, mit inzwischen zwei Wohngruppen im Erdgeschoss speziell für Bewohner mit Demenzerkrankung. Zum Pflegekonzept gehört, dass die anfallenden Hausarbeiten wie Wäschereinigung und Essenszubereitung soweit möglich von den Bewohnern selbst erledigt werden. So wird ein geregelter, bekannter Tagesablauf erreicht, der den Bewohnern die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung, im Rahmen ihrer Fähigkeiten, bietet. Die Gestaltung der Außenanlagen richtete sich nach diesem Konzept, indem Nutzbereiche mit Hochbeet und Nutzpflanzen, ein Sinnesgarten mit Duftpflanzen und abgeschlossene Gärten für die desorientierten Bewohner entstanden.

Die Pflegeeinrichtung des DRK-Kreisverbandes wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Gartencenters direkt am Lautrupsbach errichtet. Dadurch ist das Pflegeheim von großzügigen Freiflächen umgeben, in deren Mitte der Lautrupsbach fließt:

  • Südlich des Baches befindet sich ein kleiner Park
  • Im Osten grenzt eine Obstwiese an das Gebäude an und verbindet es mit der naturnahen Vegetation des Lautrupsbachtales
  • Zwischen Gebäude und Bach befindet sich der intensiv gestaltete Aufenthaltsbereich mit Terrassen, Hochbeet und Duftpflanzen
  • Zur Wohngemeinschaft der demenziell Erkrankten gehört ein abgeschlossener Innenhof. Die später eingerichtete zweite Dementenstation erhielt ebenfalls einen eigenen Garten (im Plan nicht verzeichnet).

Der Entwurf für das Gesamtgelände von 2006

Parkfläche südlich des Lautrupsbaches

 

Blick in den Park des DRK-Pflegeheims

 

Die Planung des Parkes orientierte sich an den Pflanzen, die als Relikte der ehemaligen Ausstellungsfläche des Gartenmarktes bereits vorhanden waren. Sie bilden das Grundgerüst, das mit pflegeleichten und blühenden Sträuchern ergänzt wurde. Die Sträucher wurden in Gruppen und Reihen gepflanzt, um eine bessere Fernwirkung zu erzielen. So sind sie auch aus den Fenstern des Pflegeheimes und von der Terrasse aus wahrzunehmen.

Über zwei vorhandene Brücken gelangt man von der Terrasse des Pflegeheimes in den Park, der durch einen Rundweg erschlossen ist.
Eine dritte Brücke sowie eine Treppe zum 'Unteren Lautrupsweg' binden den Park, der öffentlich zugänglich ist, an das städtische Wegenetz an und schafft so eine neue Fußwegeverbindung abseits der Straße. Gleichzeitig wird die Begegnung zwischen Spaziergängern und Heimbewohnern gefördert und so der Isolation entgegengewirkt.

Sitzplatz am Hauptweg durch den Park...

Sitzplatz am Hauptweg durch den Park...

Der Garten zwischen Haus und Bach

Terrasse

Vom hausnahen Garten aus schweift der Blick über den Bach in den Park. Der Bach rauscht je nach Wassermenge mal laut, mal leiser und das Hochbeet mit Beerensträuchern, Kräutern und Duftpflanzen lädt zum Riechen, Schmecken und Berühren auch ohne anstrengendes Bücken ein. So werden hier alle Sinne angesprochen.

Zwei großzügige Terrassen bieten sowohl Platz für Feste mit vielen Leuten, als auch die Möglichkeit, sich mit Besuch in eine Ecke zurück zu ziehen. Die Fläche ist über einen Rundweg erschlossen, so dass auch Bewohner, denen der Weg im Park zu weit ist, einen kleinen Spaziergang machen können.

 

Der Dementengarten 

Dementengarten

Hochbeet im Dementengarten

In einem geschlossenen Innenhof befindet sich der Garten für demente, im Volksmund "tüttelige" Bewohner, weshalb dieser Garten im Haus mittlerweile "Tüttelgarten" genannt wird.
Ein Rundweg ohne Sackgasse kommt dem Bewegungsdrang der Bewohner entgegen. Der Zaun, der das Weglaufen verhindert, ist in eine Hecke eingebunden. Die großzügige Terrasse ermöglicht das Beisammensein auch in einer größeren Gruppe.

Ein Hochbeet zum Anbau von Gemüse und Kräutern, Beerensträucher und ein Obstbaum ermöglichen sinnvolle Aktivitäten und unterstützen das Konzept der sich selbst versorgenden Hausgemeinschaft ebenso wie die Wäschespinne im Rasen. Gleichzeitig regt die Beschäftigung mit dem Thema Gärtnern, dass den meisten Heimbewohnern gut bekannt ist, die Kommunikation untereinander an (Zitat einer Bewohnerin: "Die Walderdbeeren sind so klein, da lohnt sich das Bücken nicht - da müssen wir was anderes pflanzen.")

Nicht nur die Augen werden angesprochen, sondern alle Sinne: Duftpflanzen regen zum Riechen an, der kleine Brunnen plätschert munter vor sich hin, Beeren sind zum Pflücken (und Naschen) da.
Bei der Pflanzenauswahl wurde auf "alt bekannte" Bauerngartenpflanzen zurückgegriffen, um die Erinnerung der Bewohner anzuregen.

 

Bauherr: Lautrupsbach GbR Flensburg

  • Bauzeit: 2006 - 2007

  • Fläche: ca. 4.500 m²

  • Leistungsphasen 1 - 6