Grünfestsetzung


von Jo Agnes Nickels, erschienen in der Zeitschrift 'Die Gemeinde' 9/2000


Ausgangslage in Jevenstedt

Bepflanzung

Kosten / Aufwand

Erfahrungen bei der Umsetzung

Quintessenz


Ausgangslage in Flensburg

Kosten / Aufwand

Verfahrensablauf

Erfahrungen mit dem Verfahren

Quintessenz


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Bebauungspläne aufzustellen gehört zu den ureigensten Aufgaben jeder Gemeinde und oft wird über ihren Inhalt intensiv diskutiert. Besonders viele Politiker möchten Ihren (Neu)Bürgern dabei so wenige Vorschriften wie möglich machen, wenn es um die Gestaltung der Häuser geht. Damit das Baugebiet trotzdem noch ein etwas einheitlicheres Gesicht bekommt, werden Hecken und Straßenbäume als verbindende Elemente eingeplant. Es geht ja auch darum, dass nicht nur die alten Ortskerne schön und grün sind, sondern es sollen sich auch die Neubaugebiete harmonisch in das Ortsbild eingliedern.
 Verstärkt werden dabei in den letzten Jahren Straßenbäume und andere Bepflanzungen auf Privatgrundstücken festgelegt. Der Vorteil für die Gemeinde liegt auf der Hand: Sie muss die Grünanlagen nicht anlegen und braucht sie vor allem nicht zu pflegen und spart somit langfristig viel Geld.
Für die Investoren eines Baugebietes ist es ebenfalls vorteilhaft, wenn sie die Pflanzflächen den Interessenten mit verkaufen können.
 Alle Kosten und Arbeit verbleiben damit bei den Hausbesitzern, die sich darüber informieren müssen, was der Bebauungsplan für ihr Grundstück festgelegt hat und sich dann daran halten sollen. Das ist die Theorie ? aber das dies so nicht funktioniert, kann man an zahlreichen Beispielen im ganzen Land sehen: Statt lebender Hecken werden Zäune oder Steinwälle gesetzt, anstatt Laubbäumen säumen Fichten und Kiefern die Straße und dort, wo ein Knick ein wertvolles Biotop darstellen sollte, befinden sich Komposthaufen, Gartenlaube und Ziersträucher.
 Während Pflanzbeete innerhalb des Straßenraumes oder auf anderen öffentlichen Flächen mittlerweile häufig zusammen mit den Erschließungsarbeiten realisiert werden, stellt sich die Durchsetzung von Grüngeboten auf Privatgrundstücken als fast unmöglich heraus. Entweder wissen die Häuslebauer nichts von den Festsetzungen des Bebauungsplanes oder sie ignorieren sie bewußt ? schließlich handelt es sich um ihr Privatgrundstück, dass sie für teures Geld gekauft haben. Sich dann von der Gemeinde vorschreiben zu lassen, welche Hecke oder welcher Baum gepflanzt werden muss, trifft auf wenig Verständnis, geschweige denn Gegenliebe. Der Wunsch vieler Gemeinden nach grünen Neubaugebieten wird dadurch oft nicht erfüllt.
 Der Ruf nach Kontrollen wird immer wieder laut, aber der damit verbundene Aufwand (bei zweifelhaftem Nutzen) lässt diesen Worten selten Taten folgen. Die Konsequenz: Die Gemeinde legt in den Bebauungsplänen Bepflanzungen nur noch auf öffentlichen Flächen fest. Dafür müssen dann ausreichende Flächen zur Verfügung gestellt werden, und die dauernde Pflege muss finanziert werden.
 Oder man sucht nach neuen Wegen, wie es hier an den Beispielen der Gemeinde Jevenstedt und der Stadt Flensburg erläutert werden soll. Beide Kommunen nehmen ihren Bürgern die Pflanzarbeiten, die sie ihnen im Bebauungsplan auferlegt haben, ab. Die fertig gepflanzten Bäume und Sträucher werden den Bauherren anschließend zur weiteren Pflege übergeben.
 Das Ziel ist das gleiche, aber die Ausgangslagen und die Wege sind unterschiedlich, so dass beide Ansätze hier nebeneinander gestellt werden sollen.

 


Ausgangslage in Jevenstedt

Jevenstedt ist eine ländliche Gemeinde mit 3.300 Einwohnern und liegt ca. 11 km südlich von Rendsburg. Im Laufe der letzten 10 Jahre ist der Ort um über 500 Einwohner gewachsen. Dies war durch die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude zu Wohnraum, besonders aber durch die Ausweisung neuer Baugebiete möglich. Da Jevenstedt alle Angebote eines ländlichen Zentralortes bietet, z. B. Schule, Kindergarten und zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, und dazu verkehrstechnisch günstig liegt, ist es als Wohnort beliebt.
 Früher hat die Gemeinde einige ihrer Baugebiete auch selber erschlossen und vermarktet, aber seit mehr als 10 Jahren wird diese Aufgabe nur noch von Investoren übernommen. Seit Einführung der Eingriffs- und Ausgleichsregelung 1993 wird in den Erschließungsverträgen zwischen Gemeinde und Investoren unter anderem auch geregelt, dass neben den externen Ausgleichsmaßnahmen auch alle Anpflanzungen im Baugebiet angelegt werden müssen, sowohl auf öffentlichen als auch privaten Flächen.
 Grünfestsetzungen hat es früher in den Bebauungsplänen auch schon gegeben, aber sie beschränkten sich im Bezug auf Privatgrundstücke z. B. darauf, dass eine Abpflanzung zur freien Landschaft vorgesehen war. Da die meisten Hausbesitzer diesen Blickschutz sowieso wünschten, wurden von ihnen meistens Pflanzungen angelegt, aber eine Kontrolle, ob diese mit dem Bebauungsplan übereinstimmten, fand nicht statt.
 Seitdem die Eingriffs- und Ausgleichsregelung gilt, werden alle Anpflanzungen im Baugebiet jedoch in die Bilanzierung mit einbezogen. Nach Auskunft des Jevenstedter Bürgermeisters Dieter Backhaus war dies der Anlaß dafür, dem Erschließungsträger auch die Privatpflanzungen mit zu übertragen, denn die Gemeinde wollte sicherstellen, dass die gesetzlichen Auflagen eingehalten werden.

 

Bepflanzung

Betrachtet man sich einen Bebauungsplan genauer, z. B. den Plan Nr. 11 für die Straße "Roggenkoppel", so stellt man fest, dass die Angaben zur Bepflanzung recht detailliert sind. Es werden Arten und Pflanzgrößen angegeben, wobei es aber immer Alternativen gibt.
 Die genaue Entscheidung, was gepflanzt wird, überläßt die Gemeinde dann dem Erschließungsträger. Im Beispiel "Roggenkoppel" handelte es sich um einen ortsansässigen Bauunternehmer, der diese Aufgabe wiederum an einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb übertragen hat, der die gesamten Arbeiten ausführte. Der Galabaufirma wurde auch weitgehend freie Hand gelassen, wann sie welche Pflanzungen realisiert. Bei einem Ortstermin konnte die Autorin feststellen, dass in der "Roggenkoppel" die Bepflanzungen in mehreren Etappen angelegt werden, da sich einige Häuser noch im Bau befinden.

 

Kosten / Aufwand

Dieses Verfahren bedeutet für die Gemeinde Jevenstedt ein Minimum an Arbeitsaufwand. Sie muss lediglich dafür sorgen, dass Grünordnungs- und Bebauungsplan die Angaben zur gewünschten Bepflanzung enthalten und dass der Erschließungsvertrag sich auch auf die Bepflanzungen auf Privatgrundstücken bezieht.
 Auf seinen Aufwand angesprochen, erklärte der Bauunternehmer spontan, dass die gesamten Anpflanzungen einschließlich der externen Ausgleichsmaßnahmen im Verhältnis zur Gesamtbaumaßnahme sowieso nur einen geringen Bruchteil der Arbeit und Kosten verursachen würden. Er hätte deshalb die Privatanpflanzungen gar nicht als eigenen Kostenfaktor mit in seine Kalkulation eingerechnet.
 Im Baugebiet "Roggenkoppel" sollten pro Grundstück durchschnittlich zwei Bäume gepflanzt werden, außerdem wurden entlang von öffentlichen Fußwegen Hecken festgesetzt und es war eine Strauchabpflanzung von 10 m Breite zur Hauptstraße vorgesehen. Für 13 Grundstücke mit insgesamt 9.400 m² Bauland kosteten die Privatpflanzungen etwa 27.000 DM. Darin ist jedoch keine Pflege der Anpflanzungen enthalten. Umgerechnet bedeutet dies, dass 2% des Kaufpreises, hier 3,00 DM pro m², für die privaten Grünanpflanzungen bezahlt wurden.

 

Erfahrungen bei der Umsetzung

Spricht man mit dem Bürgermeister oder dem Vorsitzenden des Umwelt- und Bauausschusses über die neueren Baugebiete, so äußern sie sich überwiegend zufrieden. Im Gegensatz zu den älteren Baugebieten wären die Grünfestsetzungen größtenteils erfüllt worden. Weder bei den Politikern noch bei der Verwaltung hätte es Beschwerden von Hausbesitzern über die Anpflanzungen in ihren Gärten gegeben.
 Der Erschließungsträger dagegen berichtete, dass es von den Grundstückseigentümern schon Proteste gegen die Bäume gegeben hätte, als die Gärtner sie pflanzen wollten. Er hätte sich dann jedoch immer auf den Standpunkt gestellt, dass die Besitzer gewußt hätten, dass der Bebauungsplan klare Vorgaben mache und die Bäume deshalb gepflanzt werden müssen. Wenn jemand sehr unzufrieden war, hätten sie die Bäume teilweise nicht genau an den Standort gesetzt, den der B-Plan vorgab. Es hätte auch noch die Möglichkeit gegeben, auf eine der anderen Baumarten auszuweichen, die der Bebauungsplan zuläßt. Letztlich hätten sich dann alle mit den Pflanzungen abgefunden.
 Vor Ort kann man feststellen, dass der Erschließungsträger mehr angelegt hat, als er unbedingt gemusst hätte. So wurde für die Strauchpflanzung entlang der Straße ein Wall aufgesetzt oder eine Gemeinschaftsfläche, die zu den Reihenhäusern gehört, wurde mit bepflanzt.

 

Quintessenz

Es handelt sich nach Einschätzung der Autorin um einen sehr pragmatischen Ansatz, bei dem mit relativ geringem Arbeits- und Kostenaufwand zumindest die Realisierung aller Grünfestsetzungen sichergestellt werden kann. Für die Gemeinde hat er zudem den Vorteil, dass sie nicht jeden einzelnen Grundstücksbesitzer kontrollieren und sich gegebenenfalls mit ihm auseinandersetzen muss, sondern nur den Erschließungsträger als verantwortlichen Ansprechpartner hat. Im genannten Beispiel handelte es sich um eine alteingesessene Baufirma, die zum einen einen Ruf zu verlieren hat und deren Inhaber außerdem ein persönliches Interesse an einer positiven Dorfentwicklung hat. Die Zusammenarbeit wurde deshalb übereinstimmend als problemlos beschrieben.
 Die Gemeinde nimmt jedoch keinen Einfluss mehr auf die konkrete Grüngestaltung ihres Neubaugebietes und die Bewohner haben kaum ein Mitspracherecht.

 


Ausgangslage in Flensburg

Flensburg, mit knapp 85.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Schleswig-Holsteins, hat nicht nur mit einer hohen Arbeitslosenquote zu kämpfen, sondern verliert seit 40 Jahren kontinuierlich an Einwohnern. Im Laufe der letzten 10 Jahre hat sich die Einwohnerzahl um 2.500 verringert. Gerade gut verdienende Familien ziehen in die Dörfer der Umgebung und senken damit das Steueraufkommen der Stadt. Die Stadt hat deshalb auch schon in der Vergangenheit Neubaugebiete ausgewiesen, um den Bau von Eigenheimen zu ermöglichen. Die Gebiete wurden dann von der Stadt selber erschlossen und die Grundstücke durch ihre Liegenschaftsabteilung verkauft. Damit kann sie die Regelungen des Kaufvertrages selber festlegen.
 Nach Auskunft von Michael Draeger von den Liegenschaften der Stadtverwaltung Flensburg wurden die Aktivitäten seit 1998 noch verstärkt, und es wurde vor allem ein offensiveres Marketingkonzept entwickelt, um auch einen Imagegewinn für Flensburg zu erreichen. Seitdem übernimmt die Stadt beispielsweise die Kosten für die Hausanschlusskontrollschächte, die die Bauherren sonst zusätzlich zum Grundstückspreis bezahlen mussten.
 Auslöser dafür, alle Grünfestsetzungen der Bebauungspläne anlegen zu lassen, war, dass sich in mehreren Baugebieten zeigte, dass die Anpflanzungen auf den Privatgrundstücken nicht realisiert wurden. Besonders die Stadtplanung, die für die Erstellung der B-Pläne verantwortlich ist, übte Kritik, hatte aber keine Handhabe, um die Anpflanzungen durchzusetzen.
 Dadurch entstand Anfang 1999 bei den Liegenschaften die Idee, als Service für die Grundstückskäufer auch die Kosten für die festgelegten Bäume und Sträucher mit zu übernehmen. Dieses passte gut ins Marketingkonzept und sollte deshalb in den beiden Baugebieten "Kauslund" und "Alter Husumer Weg", die kurz vor der Realisierung standen, praktisch ausprobiert werden.
 Mitte 1999 wurde dann entschieden, das gleiche Verfahren auch in den Baugebieten Nr. 219, 223 und 227 anzuwenden. Hier sollten die Bauwilligen jedoch schon umfassend informiert werden, bevor sie ein Grundstück kaufen.
 In Zusammenarbeit mit der Autorin wurde ein Programm entwickelt, das den Hausbesitzern möglichst viel Transparenz und Mitspracherecht geben sollte ? Stichwort Bürgerfreundlichkeit. Dabei wurde auch davon ausgegangen, dass es sich viele Bauherren nicht gefallen lassen würden, wenn ihnen "irgendwas" in den Garten gepflanzt wird, und dass besonders die Bäume nur dann auch langfristig gepflegt und erhalten werden, wenn die Besitzer mit der Bepflanzung zufrieden sind.

 

Kosten / Aufwand

Auf die Kosten angesprochen, so war die erste Reaktion von Herrn Draeger die gleiche wie beim Jevenstedter Bauunternehmer: Im Vergleich zur Gesamtbausumme handle es sich um Pfennigbeträge.
 Betrachtet man die einzelnen Baugebiete dann jedoch genauer, stellen sich deutliche Unterschiede heraus. Als Beispiel sollen drei Bebauungspläne dienen, die alle 1999 fertiggestellt wurden und sich zur Zeit in der Realisierung befinden. Rechnet man aus, wieviel die Privatpflanzungen pro Quadratmeter Bauland jeweils kosten werden, so kommt man auf die folgenden Zahlen.

B-Plan Nr. 219: 4,30 DM/m²
B-Plan Nr. 223: 0,74 DM/m²
B-Plan Nr. 227: 1,94 DM/m²
Es handelt sich um die Kosten für die eigentliche Anpflanzung und eine knapp dreijährige anschließende Pflege durch einen Gartenbaubetrieb.
 Ursache für die großen Unterschiede ist, dass im B-Plan Nr. 219 pro Grundstück im Durchschnitt zwei Bäume sowie eine große Anzahl von Hecken und Knicks festgelegt wurden.
 Im B-Plan Nr. 223 dagegen ist es maximal ein Baum pro Grundstück entlang der Haupterschließungsstraße. Außerdem wurden die vorhandenen und neuen Knicks im öffentlichen Besitz belassen, um besseren Einfluss auf ihren Erhalt haben zu können.
 Die genaue Planung, Ausschreibung und Überwachung der Pflanzarbeiten übertrug die Stadt der Autorin, die zudem die Grundstücksbesitzer informieren und sie in die Planung einbeziehen sollte. Da das Architektenhonorar abhängig von der Bausumme ist, betrug der Kostenanteil für Planung und Ausschreibung der Pflanzarbeiten auf den Quadratmeter Bauland umgerechnet 0,54, 0,09 bzw. 0,24 DM, die den o.g. Zahlen zugerechnet werden müssen.
 Zählt man außerdem noch alle anderen Honorare für besondere Leistungen wie die Kostenschätzungen oder die Bürgerbeteiligung hinzu, so bewegen sich die Kosten für Planung, Ausführung und Pflege aller Anpflanzungen auf den Privatgrundstücken je nach Baugebiet zwischen 1,00 und 5,00 DM pro Quadratmeter Bauland. Diese Größenordnung wurde bei einem Kaufpreis von 135 bis 150 DM/m² sowohl von der Verwaltung als auch von den Politikern als akzeptabel angesehen. Geht man von einem Durchschnittspreis von 3,00 DM/m² aus, so machen die Privatanpflanzungen 2% des Grundstückspreises aus.

 


Verfahrensablauf

Die ersten Arbeiten bestanden darin, die voraussichtlichen Kosten für die Anpflanzungen auf den Privatgrundstücken zu ermitteln, um diese in die Kalkulation mit einfließen lassen zu können. Je nach Größe des Baugebietes und Umfang der Anpflanzungen benötigt eine Fachkraft dafür 4 bis 10 Stunden.
 Bei den Baugebieten Nr. 219, 223 und 227 wurden die Bauinteressenten für die neuen Baugebiete schon vor dem Kauf darüber informiert, welche Festsetzungen der Bebauungsplan auf ihrem Wunschgrundstück vorsieht. In Flensburg geschah dies im Herbst 1999 im Rahmen einer Vergabeveranstaltung, zu der alle Interessenten ins Rathaus eingeladen wurden. Die Vergabeveranstaltung dient dazu, die Reihenfolge zu ermitteln, in der sich die Interessenten ein Grundstück aussuchen dürfen.

 Vor, während und nach der Veranstaltung standen zwei Grünplaner zur Verfügung, die den Besuchern die Grünfestsetzungen erläuterten und erklärten, welche Anpflanzungen die Stadt auf ihren zukünftigen Grundstücken durchführen lassen wird. Um das Ganze noch zu verdeutlichen, waren eigene Pläne erstellt worden, die in erster Linie die Anpflanzungen auf den Privatgrundstücken zeigten. Sie waren so aufgebaut, dass sie sich als A4-Kopien kostengünstig vervielfältigen ließen, so dass sich jeder die Blätter mitnehmen konnte, die seine Wunschgrundstücke enthielten. Die Übersichtspläne wurden von der Stadtverwaltung anschließend weiter genutzt, wenn sich Interessenten für die noch verbliebenen Grundstücke bei ihnen meldeten.
 Um die Unterlagen für drei Baugebiete mit insgesamt gut 150 Wohneinheiten zu erarbeiten und an der Vergabeveranstaltung teilzunehmen, müssen nach Erfahrung der Autorin ca. 30 Arbeitsstunden eingeplant werden.
 Bei der genauen Planung der Bepflanzungen mussten natürlich die Vorgaben des B-Planes erfüllt werden, aber gleichzeitig sollten die Hausbesitzer möglichst noch Wahlmöglichkeiten haben. Zudem musste sich der Aufwand bei der Ausschreibung im vertretbaren Rahmen bewegen.
 So entstanden Wahlzettel, die für jedes einzelne Grundstück genau darlegten, wie viele Bäume gepflanzt werden oder aus welchen Heckenarten man sich eine Art aussuchen konnte. Damit sich niemand benachteiligt vorkam, stand es den Hausbesitzern, die laut B-Plan keine Anpflanzung vornehmen mussten, frei, ob sie beispielsweise einen Baum haben möchten.
 Nach Wunsch der Landschaftsarchitektin sollten die Hausbesitzer vor Ort über das Verfahren und die Bepflanzungen auf ihrem Grundstück informiert werden und in dem Zusammenhang auch die Wahlzettel erhalten. Unabhängig davon hatten die Liegenschaften bereits überlegt, für jedes Baugebiet ein "Bauherren-Treff" zu organisieren, das dem zwanglosen Kennenlernen der zukünftigen Nachbarn dienen sollte. Beides ergänzte sich sehr gut, so dass im Oktober 1999 sowohl in "Kauslund" als auch im "Alten Husumer Weg" ein Zelt mitten im Baugebiet aufgebaut wurde, in dem die Stadt alle Hausbesitzer mit ihren Familien mit Essen und Trinken bewirtete. Teilweise wurden auch die Bewohner aus der direkten Nachbarschaft mit dazu eingeladen. Bei den beiden Nachmittagsterminen waren ausserdem Vertreter des Tiefbaus und der Liegenschaften anwesend und standen den Bürgern Rede und Antwort.
 Um das ganze möglichst anschaulich zu gestalten und vor allem auch, um denjenigen, die noch wenig Garten- und Pflanzenerfahrung haben, die Auswahl zu erleichtern, brachte die Landschaftsarchitektin Beispielpflanzen zum "Bauherren-Treff" mit. Vor dem Zelt standen so Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen in Töpfen ? eine temporäre Begrünung inmitten des Baubetriebes. Im Gespräch wurde jedem Interessierten erklärt, welche Auswahlmöglichkeiten er für sein Grundstück hat und nebenbei wurde noch die eine oder andere Gartenfrage erläutert.
 Im Baugebiet "Kauslund" standen beispielsweise 10 Obstbaumsorten zur Auswahl, die als Hausbaum in die Vorgärten gepflanzt werden sollen. Um die Auswahl zu erleichtern, gab es Äpfel und Birnen zum Testessen. Diese erfreuten sich nicht nur bei den Kleinsten grosser Beliebtheit.


 
Erfahrungen mit dem Verfahren

Die Information der Bauwilligen während der Vergabeveranstaltung wurde sehr gut angenommen, und auch die "Bauherren-Treffs" waren ausserordentlich gut besucht.
 Während bei den "Treffs" für die Stadt vor allem der Imagegewinn im Vordergrund stand, dienten die Veranstaltung der Landschaftsarchitektin dazu, die (Neu)Bürger konkret zu informieren. Die Reaktionen der Grundstücksbesitzer waren teilweise skeptisch-abwartend, aber zum grössten Teil wohlwollend und zufrieden. Den meisten war bewusst, dass sie auf ihrem Grundstück etwas pflanzen müssen, was im Bebauungsplan festgeschrieben worden ist. Aber dass Gärtner kommen werden, um diese Arbeit für sie zu erledigen und ausserdem noch für knapp drei Jahre die Pflege übernehmen, ohne dass sie dafür etwas zuzahlen müssen, kam vielen sehr gelegen.
 Von der Möglichkeit, sich nicht an der Gemeinschaftspflanzung zu beteiligen und die Anpflanzungen selber und auf eigene Kosten zu erstellen, hat von 39 Grundstücksbesitzern keiner Gebrauch gemacht. Nach Einschätzung der Autorin liegt dies daran, dass sie mit der vorgeschlagenen Bepflanzung im großen und ganzen zufrieden waren und dass es für sie eine Kosten- und Arbeitsersparnis bedeutete, die gerne angenommen wurde. Auch die Haltung "Wir haben schließlich dafür bezahlt, also wollen wir auch soviel wie möglich für unser Geld bekommen", mag bei manchem eine Rolle gespielt haben. Dem Ziel, das Baugebiet möglichst gut zu begrünen, kommt dies natürlich nur entgegen.
 Der Rücklauf der Wahlzettel war sehr gut: In "Kauslund" lag er bei 100%, im "Alten Husumer Weg" bei 92%, wobei die meisten ihre Wahlzettel gleich beim "Bauherren-Treff" wieder abgaben.
 Bei einem Ortstermin mit dem Gärtner, den Besitzern und der Landschaftsarchitektin wurde für jedes Grundstück die genaue Plazierung der Bäume festgelegt, denn nur, wenn die Hausbesitzer langfristig mit dem Standort ihres Baumes zufrieden sind, wird dieser Baum auch auf Dauer stehen bleiben.
 Im April 2000 wurden dann die ersten Pflanzarbeiten durchgeführt, und es gab keine Probleme oder Diskussionen mit den Grundstückseigentümern. Einige warteten regelrecht schon auf ihre Hecken oder Bäume.

 

Quintessenz

Der Stadt Flensburg entstanden durch das ganze Verfahren für die Baugebiete "Kauslund" und "Alter Husumer Weg" Kosten, da die Grundstückspreise bereits festgelegt worden waren, bevor die Entscheidung fiel, die Anpflanzungen mit zu übernehmen. Für die nachfolgenden Baugebiete wurden die Mehrkosten dann in den Grundstückspreis mit einkalkuliert, so dass das Verfahren für die Stadt kostenneutral ist.
 Für die Mitarbeiter der Liegenschaften bedeuten Sonderveranstaltungen wie die "Bauherren-Treffs" einen zusätzlichen Arbeitsaufwand, da ihnen die Vorbereitungen wie Zelt ausleihen oder Essen bestellen oblagen. Alles, was mit den Anpflanzungen zu tun hatte, wurde jedoch von der Landschaftsarchitektin vorbereitet und hat die Verwaltung nicht belastet.
 Klar erkennbar ist aber, dass die Aktivitäten der Stadt beispielsweise in der Presse positiv aufgenommen wurden und die Reaktionen der Hausbesitzer zum größten Teil wohlwollend waren, so dass von Seiten der Liegenschaften vorgesehen ist, das Verfahren in der geschilderten Art weiterzuführen.
 Alles zusammen erscheint es ein praktikabler, bezahlbarer und bürgerfreundlicher Weg für Kommunen und Investoren, um die Grünfestsetzungen des Bebauungsplanes auch auf Privatgrundstücken sicherzustellen und so auch mittel- und langfristig etwas für mehr Grün und ein besseres Ortsbild zu tun.